Die Endrunde des 1999er Rätselrennens

 
 
 

 

prolog

'Rufnummer unbekannt' stand bei mir auf dem Telefondisplay als die dazugehörige Klingel ertönte. Nach dem Abheben wusste ich zunächst immer noch nicht wer mich denn da in meiner Konzentration störte, denn dieser unverschämte Jemand meldete sich nicht namentlich, sondern überfiel mich sofort mit einer obskuren Frage nach dem Namen des Kaisers von Amerika. Völlig überrumpelt dachte ich zunächst an einen Telefonstreich meiner Miträtsler (ha, ihr wollt mich wohl testen, was? Aber nicht mit mir...), und antwortete gelangweilt 'Norton, warum?'. Am anderen Ende der Leitung brach ein Tumult aus, grade so als ob die vor dem Bayrischen Hof auf Michael Jackson wartenden Frühpubertierenden eine Bewegung hinter dem Vorhang ausgemacht hätten. 'Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen' - 'Ach was. Ist ja toll'. Scheinbar genügte dieser Ausbruch an überschäumender Freude meiner Gesprächspartnerin nicht, denn sie hakte nach: 'ja freuen Sie sich denn gar nicht? Wissen Sie denn nicht wer hier ist?' Ja Mädel, wie soll ich denn wissen wer da ist, wenn du mir deinen Namen nicht sagst. 'Na klar, ich freu mich, ich freu mich'. Dieser Dialog nahm zunehmend surrealistische Züge an. 'Na schön, dann rufe ich Sie am nachmittag noch einmal an, um Ihnen genaueres über den Ablauf mitzuteilen' Hä? Wenn du was zu sagen hast, dann gleich. Ich hab schließlich noch was anderes vor als auf deinen Anruf zu warten, Unbekannte. 

aller anfang ist schwer

Drei Stunden später wusste ich endlich worum es ging, und fand mich am darauffolgenden Freitag um 19:00 Uhr im Hotel Opera ein. Tatsächlich: es war auf meinem Namen ein Zimmer reserviert, besser gesagt: eine kleine Suite. Mann, da hab ich ja schon gewonnen. Dachte ich. Doch trotzdem der freundliche Herr vom Empfang mir alles im Zimmer gezeigt hatte, stand ich beim ersten Gang ins Bad vor dem Problem den Lichtschalter zu finden. Nach einer geschlagenen Viertelstunde wurde ich im Wohnzimmer (!) fündig, beim Fenster. Bei der Klospülung war es einfacher, dort brauchte ich nur den Teppich anzuheben, um den Fußschalter zu finden. Wie mir später versichert wurde, hatten diese Aufgaben nichts mit dem Rätselrennen zu tun.

italienische nacht

Später im Foyer traf ich dann nach und nach auf Tobias aus Hamburg, Doris aus Zürich, Gerhard 'BKA' aus Ulm, Reinhard aus Kiel und Claudia aus München. So so, euch muß ich also besiegen, von wegen, dabeisein ist alles. Und dieser nette Herr dort drüben, der mit der Champagnerflasche, das ist doch, ja genau, das muß er sein: CUS. War er aber nicht, das war der Ober. Nein, CUS saß schon da und innerhalb von wenigen Minuten wurde er überhäuft mit Fragen und Bemerkungen zum diesjährigen Rätselrennen. Nachdem der Champagner zur Neige ging, wechselten wir die Lokalität und bewegten uns zum 'Katzlmacher', einem, wie der Name von andeutet, exklusiven italienischen Restaurant in Schwabing. Da die Rätselfinalisten jedes Jahr dort verköstigt werden, macht sich die Küchencrew alle Mühe um dem Rätselrennen gerecht zu werden: alle Teilnehmer müssen raten was es zu essen gibt. 'na gut' werden vielleicht einige von euch sagen 'das muß ich bei meiner Frau zu Hause aber auch'. Vielleicht. Aber der Katzlmacher ist teurer. Nun, zur Begrüßung kippte mir die Bedienung zunächst ein volles Glas Melonenprosecco (war übrigens auch zu erraten) in den Schritt, so daß ich für den Rest des Abends eine Gratwanderung zwischen Getränkekonsum und Blasenfüllstand vollziehen musste, da der Gang zur Toilette zwar für Heiterkeit bei den anderen Gästen, bei mir jedoch nur für einen roten Kopf gesort hätte. Dafür wurden wir mit einem exquisiten Mahl aus sechs Gängen entschädigt, welches von edlen Reben begleitet wurde. Am Schluß wurden unsere Notizen über die Speisen und Getränke mit der Wirklichkeit abgeglichen, wobei der und die mit den meisten 'Richtigen' je eine Flasche Rotwein gewann. Warum meine Notiz 'ist sich noch eine Rotwein, Mitteleuropa, 1994' bzgl. des Getränks, der Herkunft und des Jahrgangs nicht gewertet wurde, ist mir immer noch ein Rätsel. 1994 hat gestimmt und der Rest auch.

schnitzel jagen

Am nächsten Morgen frühstückten wir ausgiebig im Hotel und machten uns dann zusammen mit CUS auf zum großen Finale. Hier ging es nicht darum, Brücken in Südamerika zu identifizieren oder isländische Telefonbücher zu wälzen, nein, hier ging es um eine Schnitzeljagd. Unser Jagdrevier war der Münchner Viktualienmarkt. Unsere Gegner: die Zeit und Touristen. Wir hatten genau eine Stunde Zeit, um 21 Bildausschnitte aus einer Mappe auf dem Viktualienmarkt wiederzufinden und Fragen zu den Abbildungen zu beantworten. Um 10:55 tigerten wir los, ein jeder mit seiner Mappe. Leider sind Ende August in München abertausende Touristen aus aller Welt unterwegs, und die treffen sich alle Samstag mittag am Viktualienmarkt. Schwierig, schwierig. Ich beschloss zunächst den Randbereich des Marktes zu erkunden, dort waren die Menschenmassen lichter. Hier fand ich auch Ägypter an der Wand und ein rockkonzert in der Heilig-Geist-Kirche. Jedesmal wenn ich ein Bild identifiziert hatte, tat ich so, als könnte mich kein Wässerchen trüben und schrieb erst etwas auf, wenn ich sicher war daß mich niemand beobachtet. Nun, nach einer Stunde hatten wir fertig und CUS wertete die ausgefüllten Fragebögen aus. Ich hatte 14 richtig. Ist diese Leistung noch zu toppen? Kaum. Reinhard aus Kiel kam auch auf 14, allerdings mit Raten, Pfui!. Da alle anderen weniger Fragen beantwortet hatten, kam es zwischen Reinhard und mir zum Stechen. Wie lang ist der Biertisch an dem wir sitzen? Der Viktualienmarkt hielt den Atem an, die Vögel verstummten. Wind kam auf und trocknete unsere Schweißperlen auf der Stirn. Reinhard war um einen Zentimerter näher dran. Somit stand die Schlüsselverteilung fest: von 36 Schlüsseln bekam Reinhard 8, ich 7, Tobias und Claudia je 6, Gerhard noch 5 und Doris 4. Naja, mir reicht eigentlich nur ein Schlüssel: der richtige.

der richtige dreh

So standen wir also im Hof des SZ-Verlages vor dem Objekt unserer Begierde. Allerdings gabs den Champagner erst nach der Verlosung. Also erst auf das Auto konzentriert, bzw auf das Schlüsselbrett, von dem wir Reihum je einen Schlüssel nahmen, bis jeder 'seine' Anzahl zusammen hatte. Teufel nochmal, wo ist denn jetzt der Generalschlüssel, den ich mir extra bei Mazda bestellt hatte? Langsam aber sicher wurden alle ruhiger - nein nicht gelassen, sondern es wurde immer weniger gesprochen, so sehr waren wir mit zittern beschäftigt. Dann war es soweit: Reinhard bewegte sich bedächtig wie eine Raubkatze zum Wagen, den Schlüssel rein ins Schloß und JAAAAAHHHH! Er hat ihn nicht! Es gibt doch einen Gott. Weg da du Wurm, jetzt komme ich! Diverse Jubelszenen zogen vor meinem inneren Auge vorüber, ich entschied mich für die mit den Blondinen und schlenderte siegessicher auf mein Auto zu. He. Was ist das? Warum lässt sich dieser Schlüssel nicht drehen? Da hat mir jemand wohl einen falschen angedreht. Na gut. Dann in der nächsten Runde. Und kaum das Tobias mit dem ersten seiner sechs Schlüssel den Wagen aufsperrte war mir klar: der hatte versehentlich meinen Schlüssel genommen! Halt! Alles zurück! Hört denn hier niemand auf mich? ......

Nach dem leeren des Champangers, Glückwunschverteilung, Interviews und Selbstbemitleidigungen gingen wir zunächst Mittagessen in der Hundskuchl (für die Nichtmünchner: weder gibt es in der Hundskuchl Hunde noch im Katzlmacher Katzen zu essen. Also zumindest mir bekannt ist), übrigens dem Stammlokal vom Moosi 'der Hammer' Mooshammer. Hier schlug meine philosophische Stunde; nein wir haben ja nicht verloren, wir haben nur nichts gewonnen..... 

ausklang

Am Abend trafen wir nochmal mit CUS und einigen Vertretern der Münchner Rätselszene im Alten Simpl in Schwabing zusammen. In Bayern wird ja bekanntlich einiges für Bildung getan, das geht sogar so weit, daß es bei der Volkshochschule München einen Rätselkurs gibt... Selbstverständlich ging es in allen Gesprächen nur um Rätsel, Rätsel und nochmals Rätsel. Es war auf jeden Fall ein feuchtfröhlicher Abend, den einige Kollegen aus Kiel ('na wenn wir schon mal hier sind, nutzen wir das auch aus!') etwas länger genossen als andere. Der nächste Morgen brachte nochmal ein langes Frühstück, anschließend gab es tränenreiche Abschiedsszenen, Versprechen, immer aneinander zu denken und ein beherztes 
'OK, dann bis zum nächsten JAHR'